Salmonellenproblembestände

Das wichtigste Thema der Taubengesundheit schlechthin!

Leider helfen in vielen Beständen die üblichen Behandlungsroutienen nicht mehr. In der Regel sind dies Bestände, welche latent weitgehend verseucht sind oder mit umgewandelten Salmonellenformen behaftet sind (L-Formen). In diesen „Katastrophenbeständen", welche leider häufiger sind als wir uns eingestehen wollen, versagen oft alle Bemühungen.

In diesen Problembeständen hat sich bewährt:

Immer vor den Impfungen eine geeignete Antibiotikabehandlung durchführen (2-3 Jahre

kann dies so praktiziert werden). Achtung, dies gilt nicht für unauffällige Bestände, d.h. Bestände welche im Gleichgewicht sind!

Eine Woche Pause sollte danach schon eingehalten werden.

Dann sollte der Impfstoff Zoosal-T in der Dosis 0,4 ml in der Nackengegend, genau in der Mittellinie fingerbreit über den Halsansatz unter die Haut - Hautfalte ziehen und unter Sicht applizieren. Schlagspezifischer Impfstoff ist optimalerweise als Booster einsetzbar, d.h. einige Wochen nach der Immunisierung mit Lebendimpfstoff (Zoosal-T).

Bei den stallspezifischen Impfstoffen (leider recht kostenaufwendig) sollten die Herstellerangaben befolgt werden. Wir setzen den Impfstoff mitunter alle 4-8 Wochen nach der Erstimpfung nach der Zoosal-T Impfung ein. Um die Fläschchen leer zu bekommen, kann mitunter mehrere Tage hintereinander gegeben werden. Die Impfstoffe sollten angefangen möglichst schnell aufgebraucht werden. Dieser Todimpfstoff macht an sich keine Nebenwirkungen.  Wegen verschiedener Prüfkriterien, die der Impfstoffsicherheit dienen sollen, dauert die Herstellung solcher Impfstoffe doch mehrere Wochen.

Nach dieser sehr nebenwirkungsarmen Impfung, sind die Schleimhäute derart aktiviert, daß Infektionen recht wirksam abgewehrt werden können. Außerdem kann man bei guter Wirksamkeit mehrere Problemkeime in den Impfstoff mit einbauen. Diese Entscheidung muß dann, in Zusammenarbeit mit dem Impfstoffwerk, der behandelnde Tierarzt treffen, der ja den betreffenden Bestand mit seinen spezifischen Problemen am besten kennt.

Vier Wochen beste Umweltbedingungen bei bestem Futter, evtl. die Verabreichung abwehrsteigernder Mittel, sollten genügen, um einen guten Gesundheitszustand zu gewährleisten. Dann sollte die zweite Salmonellenimpfung erfolgen, entweder mit Zoosal-T oder der hergestellten bestandsspezifischen Vaczine. Diese Impfung sollte dann per Nadel im bereits in früheren Ausgaben beschriebenen Bereich appliziert werden. Nach diesen Impfungen kann eine ein bis dreitägige „Durchhängerzeit" beobachtet werden, welche aber bei der beschriebenen Methode in der Regel recht schwach ausfällt. Bei trotzdem schwerwiegend auftretenden Problemen muß die Antibiotikagabe wiederholt werden. Dies bringt aber nur etwas, wenn man ein ausgetestetes Medikament wählt, da wir ja bereits vor der Impfung behandelt haben. Vermutlich war dann die Wahl des Antibiotikums vor der ersten Impfung wohl die Falsche.

Stark reagierende Einzeltiere mit starker Freßunlust, gesträubten Gefieder, Durchfall, dicken Gelenken oder mit unsicherem Gang bzw. Augenveränderungen sollten möglichst entfernt werden. Diese Tiere gefährden die Bestandssanierung.

Sehr wertvolle Tiere, welche Symptome aufweisen, sind einer gesonderten Behandlung in einem abgetrennten Raum unter verbesserten Bedingungen und bester Hygiene zu unterziehen.

Diese Maßnahmen sollten dann weiterführend sechs Wochen vor der Zuchtpaarzusammenstellung bzw. kurz nach der letzten Brut vorgenommen werden (letzten Jungen sollten futterfest sein). Individuelle Abwandlungen der Behandlung sollte der entsprechende Tierarzt entscheiden. Sie müssen ihn nur mit Nachdruck auf Ihre Situation aufmerksam machen!

Optimal ist es natürlich, wenn immer ca. 20 Jungtiere zusammen gekommen sind, diese im Stadium der Futterfestigkeit zu impfen. Die Immunität der Alttiere, welche über das Ei und die Kropfmilch an die Jungen weitergegeben wird, hält halt bestenfalls nur bis zum Absetzen. Impft man früher, macht gerade diese passive Immunität die Impfung kaputt, die Impfung bringt dann natürlich nichts. Wenn die Jungen das Fressen und Trinken erst lernen müssen, besteht ohnehin eine Versorgungslücke (krumme Brustbeine entstehen gerade in dieser Phase). Zu diesem Zeitpunkt sind die Tiere nicht impfwürdig, da das Abwehrsystem noch nicht reif ist und sich mit einer Fülle neuer Keime ohnehin mit herumschlagen muß.

Wer sich für den Einsatz bestandsspezifischer Impfstoffe entscheidet, sollte sich für ein Jahr damit eindecken. Vorher muß freilich abgeklärt werden, wie viele Tiere voraussichtlich zu den Impfzeiten vorhanden sind und welche Methode wie eingesetzt werden soll. Wiederholter Einsatz über das Trinkwasser bedeutet doch eine erheblich höhere Einsatzmenge. Nachbestellungen der gleichen Vakzine sind nach vorheriger Absprache mit dem Serumwerk auch langfristig möglich, so daß kein Kühlschrank voll geordert werden muß, somit der Kostenaufwand geringer gehalten wird. Wer weiß schon was in zwei Jahren sein wird? Allerdings gibt es Mindestabnahmemengen.

Eine stetige Überprüfung des Bestandes ist nötig um den Therapieplan den sich verändernden Bedingungen anzupassen. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Tierarzt ist somit unentbehrlich für ein langfristiges Gelingen der Therapie. Gerade bei den Problembeständen, welche üblicherweise sich der Behandlung sehr widersetzen, ist ein großes Maß an Standvermögen und Konsequenz von Nöten. So manch einer gibt auf halber Strecke wegen zu erwartender Rückschläge auf. Es läuft nicht immer alles so einfach, wie es beschrieben wird.

Häufig sind noch weitere Erreger oder Umweltfaktoren tätig, welche ein Gelingen unserer Behandlungskonzepte erschweren, deshalb ist Hartnäckigkeit Züchtertugend.

Auch darf man nicht den Fehler machen absolutes Vertrauen in Impfungen oder Antibiotikabehandlungen zu setzen. Absolut entscheidend für einen gesunden Bestand bleiben natürlich optimale Umweltbedingungen mit hochwertiger Fütterung (nicht zu viele Leguminosen, schimmelpilzarmes Futter, kleine Körner). Abwehrsteigernde Maßnahmen wie der Einsatz von roten Sonnenhutpräparaten (Echinacea purpurea), Knoblauchprodukten, Paramunitätsinducern (Baypamun, Duphamun), Huminsäuren (Heilerden), frischen Milchprodukten etc. sind unterstützend angebracht. Weiterhin ist die Zucht auf Abwehrstärke wichtig.

Manche Paarkonstellationen bringen sehr anfällige Junge, bei Umpaarung mitunter nicht. Auch ist der Zukauf von Zuchttieren in dieser Phase Garant für Rückschläge. Die Tiere müssen sich wieder und wieder mit neuen Keimgruppen herumschlagen, auch wenn die im Bestand befindlichen Salmonellen noch nicht einmal im Griff sind.

Ein weiteres Problem sind Virusinfektionen, welche auslösend oder draufgesetzt verschlimmernd wirken. Diese Infektionen können nicht direkt angegangen werden, da Viren sich um Antibiotikagaben nicht scheren. Es werden nur begleitende Bakterien (auch die wichtigen guten körpereigenen) abgetötet. Den Rest muß das Körperabwehrsystem selber schaffen, auch stehen uns nur wenige Impfstoffe zur Verfügung. Leider ist die Impfstoffentwicklung auf diesem Gebiet für die Unternehmen leider nicht lukrativ genug, es kommen auch zu wenig Meldungen von der Basis, aufgrund welcher eine entsprechende Entwicklung eingeleitet wird. Europa mit seinen ganzen Verkomplizierungen trägt nicht gerade zur Produktvielfalt und Vereinfachung von Arzneimittelzulassungen bei. Betreffs der neu sich verbreitenden Virusinfektionen werden wir demnächst berichten.

Eine gute Vorbereitung auf die Ausstellungen macht schon den halben Erfolg aus. In diesem Sinne wünsche ich ein glückliches Händchen.

13.07.2012

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